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Zur Kritik des Freudomarxismus

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Eine Wissenschaft der Geschichte ist ohne Theorie der Einheit von Wahrnehmen und Bewegen nicht möglich. Zur Kritik des Freudomarxismus anlässlich erneuter Lektüre von Herbert Marcuses Buch „Versuch über die Befreiung“.

Rahmen: Vorbereitung der Veranstaltung zu Marcuses Aufsatz "Versuch über die Befreiung“ am 9.6.2018 im Alhambra.

Die „Kritische Theorie“ ist als Versuch entwickelt worden, die wissenschaftlichen Theoriegebäude, die Karl Marx und Sigmund Freud bereitgestellt haben, um das Versprechen des Zeitalters der Aufklärung einzulösen und dem Irrationalismus religiöser Dogmen den Boden zu entziehen, also zu leisten, wozu die Naturwissenschaften von vornherein außerstande sind. Das war umso notwendiger, als die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gezeigt hatten, dass ohne diese Vorarbeit die Befreiungsversuche, womit unterdrückte Menschenmassen sich angeschickt hatten, ihre Fesseln abzustreifen – jene neuen Fesseln, die ihnen der Kapitalismus bereits angelegt hatte, als sie noch in den alten Ketten des Feudalismus hingen – zur Erfolglosigkeit verurteilt sind. Eine neue, an den Erfolgen der Physik orientierte Wissenschaft, die aus der Enge des alten Irrationalismus einer tradierten „Metaphysik“ herausführt, war die Parole. Die Errungenschaft des Marxismus war freilich schon zu einem beträchtlichen Teil in Misskredit geraten, weil der Kommunismus Stalin`scher Prägung seine Schatten warf. Unverbraucht erschien dagegen noch der Freudismus, zumal sich dieser auf einen Autoren berufen hat, der sich als Verfolgter des nationalsozialistischen Rassenwahns im Londoner Exil hatte in Sicherheit bringen müssen. Ohne Vorsicht waren beide Belebungsversuche des aufklärerischen Impetus der vergangenen beiden Jahrhunderte nicht miteinander in Einklang zu bringen. Diese Warnung wurde der „Kritischen Theorie“ in die Wege gelegt, als ihre Vertreter sie als ein Amalgam aus Psycho- und Soziotherapie aus der Taufe hoben.

Meine Behauptung: Die Kritische Theorie hat durch Herbert Marcuse keine ernsthafte Fortsetzung erfahren. Überhaupt konnte der Freudomarximus die von ihm beanspruchte Aufklärung über Subjektivität und Irrationalität nur schuldig bleiben. Denn es ist ihm nicht gelungen, eine wahrhaftige, die Geschichtswissenschaft stützende Theorie der Einheit von Wahrnehmen und Bewegen zu entwickeln.